Allerheiligen 2016


Wie jedes Jahr fand auch in diesem Jahr die Totengedenkfeier am Billeder Gedenkstein im Hauptfriedhof Karlsruhe statt. Emotionale Momente hielten die Anwesenden für kurze Zeit im Bann. Die Glocken der Billeder Kirche ertönten und der Chor der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe sang: „Glocken der Heimat“. Man betete, man las die Toten des vergangenen Jahres vor, man hörte wunderbare Gedichte, schöne Worte all das drang tief in die Herzen der Menschen ein. Mit den Klängen des Totenmarsches endete die Feier.

Nach einer Stunde traf man sich mit vielen anderen Menschen am Vertriebenen Kreuz, wo eine Gedenkfeier für alle Zugezogenen abgehalten wurde. Der BdV organisiert diese Feier jedes Jahr, um an die persönlichen Schicksale aller Vertriebenen zu erinnern. An dieser Feier nahmen evangelische und katholische Priester teil, ein Bläserquintett spielte das bekannte Lied: „Ich hatte einen Kammeraden“ und andere Trauerlieder. Der vereinigte Chor der Russlanddeutschen und der Banater Chor sangen drei Lieder, die für die Organisatoren eine erfreuliche Geste war.
Danach besuchte man noch die eigenen Gräber, so nahm auch dieser Feiertag ein tiefgehendes Ende.

Landsleute, liebe Gäste,
heuer darf ich im Namen der HOG Alexanderhausen, als Nachbargemeinde von Billed, einige Gedenkworte an Euch, die ihr hier seid, richten. Dafür möchte ich der HOG Billed danke sagen.

Es ist Allerheilingen! Ein Gedenktag an unsere Verstorbenen, der jedem von uns seit frühester Kindheit, in tiefer Erinnerung ist. Ebenso die Friedhöfe und das Lichtermeer an diesem Tag, in der alten Heimat.
Am 1. November wird in vielen Regionen der Welt der Toten gedacht. Bereits 835 ist dieser Tag als Allerheiligen erwähnt.
Nach unserer Aussiedlung oder Umsiedlung, konnten plötzlich die vertrauten Gräber der verstorbenen Angehörigen, in der alten Heimat, nicht mehr besucht werden. So ähnlich muss es auch unseren Ahnen ergangen sein – die Familien getrennt, kein Dach überm Kopf und keine Gewissheit über die weitere Zukunft.
Um ihrer und unserer Vergangenheit zu gedenken, hat die HOG Billed die Überlegung wahrgemacht, einen Gedenkstein zu errichten, als Treffpunkt zu Allerheiligen in der neuen Heimat, um der Vergangenheit, der erlebten Veränderungen sowie derer, die nicht mehr unter uns weilen, zu gedenken.
Dieser Gedenkstein, eingeweiht zum Pfingstfest 1987, ist seit dem ein Treffpunkt zu Allerheiligen in der neuen Heimat, im Sinne unserer Gemeinschaft, da nicht jeder am Grabe seiner Angehörigen Blumen niederlegen und Kerzen anzünden kann.

Unsere Gedanken gehen an diesem Tag, ja in diesen Minuten und Sekunden weit über diesen Ort, über diesen Friedhof hinaus. Ich zitiere Immanuel Kant:
„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird“.
Wir gedenken heut allen: den Siedlern, die mir viel Fleiß eine neue Heimat im Banat geschaffen haben, den vielen gefallenen Soldaten und Zivilisten der beiden Weltkriege, den Russland- und Baragandeportierten und denjenigen, die den schweren Weg der Flucht, aus dem kommunistischen Regime, nicht überlebt haben. Fremde Erde deckt sie zu.

Ich schließe nun mit folgendem nachdenklichem Friedhofsspruch.
„Was Ihr seid das waren wir, was wir sind das werdet Ihr“
Herr, gib Ihnen die ewige Ruhe.