Bei den Pfälzern im Banat


Hermann Hofmann beschreibt eine Studienreise ins Banat 1928

Manch einer von uns sieht es als Geschenk des Himmels, wenn man zufällig oder gewollt auf Aufzeichnungen aus weit zurückliegenden Tagen über unser Banat stößt und sich dann zurückträumt in die Kindheit und Jugend in dieser unvergessenen Heimat. Umso mehr beeindrucken jedoch Reiseerlebnisse eines Nicht-Banaters, der unvoreingenommen beobachtet, vergleicht, wertet wie z. B. Hermann Hofmann-Ludwigshafen, Oberlehrer und Reichstagsabgeordneter, der 1928 sozusagen als Berichterstatter einer durch den deutschen Generalkonsul Haas von Temesvar (Schreibweise des Autors) im Deutschen Reichstag angeregten Studienkommission deutscher Landwirte durch das Banat angehörte.

Die Arbeit widerspiegelt ein Stück Auslandsdeutschtum, gesehen durch ein starkes, frisches und frohes Temperament, ist aber auch eine Art Kulturbrücke, zumal der Autor - wie auch die meisten Auswanderer ins Banat - aus der Pfalz stammte, somit den Siedlungsgebieten des deutschen Südostens durch Mundart und Wesensgemeinschaft verbunden ist.
Erst während des I. Weltkrieges staunten deutsche Soldaten aus der Pfalz, aus Baden und Hessen auf dem Durchmarsch durchs Banat nicht schlecht, als sie hier den Dialekt ihrer Heimat hörten und sich der Gastfreundschaft ihrer früheren „Landsleute“ erfreuten. Nach diesem Krieg halfen die sogenannten Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen durch die zeitweilige Aufnahme vieler unterernährter reichsdeutscher Kriegskinder. Gegenseitige Besuche vertieften den „Familienbund“ mit den lange vergessenen Nachkommen der Auswanderer von einst.
Der Berichterstatter Hermann Hofmann-Ludwigshafen gehörte einer hochkarätigen zehnköpfigen Studiengruppe an, die alters-, berufs- und herkommensmäßig bunt gemischt, jedoch hochqualifiziert und offen für alle Bereiche des Lebens war.

In humorvoll-heiterem Ton präsentiert der Autor die gemeinsame Donaureise der Zehn im September 1928 ins Banat, wobei alles so bildhaft-anschaulich und zugleich informativ gehalten ist, uns vor allem aber das anspricht, wie das Banat vor fast 80 Jahren von einem „Ausländer“ gesehen wurde, um auch Vergleiche zu heute herzustellen.
Schon bei der Vorbeifahrt „an der fruchtbaren Bacska, der ersten deutschen Siedlung , muss auch ein mitreisender Kroate den Fleiß, die Strebsamkeit und Ordnungsliebe der deutschen Siedler loben. Auch die Natur kann die Reichsdeutschen begeistern: „Wenige Ströme der Welt werden sich in wilder Romantik mit der Katarakten-Strecke des Kazanpasses messen können.“

Über Orschowa nach Temeswar

An Land ging‘s dann über Orschowa, durch das Tscherna-Tal gegen Temesvar: „Solche durchlöcherten steinigen Straßen hatten wir mit Autos noch nie befahren.“
Von Caransebes hält der Autor fest, dass hier deutsche Sprache heimisch ist, dass hier das Banater Land beginnt, zumal gerade Bischof Dr. Augustin Pacha hier als Oberhirte des Banats die Firmung vornahm und alle in Hochstimmung waren. Beim Halt in Lugosch wird es dem Berichterstatter heimisch zumute, als er Kinder und Frauen in seinem pfälzischen Dialekt sprechen hört. In Temesvar, der Hauptstadt des Banats, erwähnt er zuerst „den prachtvollen Monumentalbau der Banatia, dann das bischöfliche Palais, das Deutsche Haus“ (1922), wo er unter anderem auch lesen konnte:

„Von der Mutter schon als Kind
lernten deutsch wir beten;
wollen einst noch deutsch gesinnt
vor den Herrgott treten.“

Die beste Brücke der Angereisten zu den Banatern war – und ist auch heute – der Dialekt, woran sie den Gleichgesinnten erkennen und ihm Herz und Haus öffnen: “Die Banater Pfälzer konnten es beinahe noch reinrassiger als ich.“ Die lebhaften und zahlreichen Zwischenrufe bei Zusammenkünften bewiesen, „dass die Banater auch von ihrem pfälzischen Temperament nichts eingebüßt hatten...Wir fühlten uns als Könige unter diesem urwüchsigen heimatbegeisterten Volke und schmetterten mit ihm das heimatliche Lied...“

Am 16. September 1928 ging‘s per Auto über Bruckenau, Blumenthal und Fiebisch zur Guttenbrunner Kirchweih, „immer durch weite Ebene oder welliges Land mit ungemein fruchtbarem schwarzen Humusboden...“
„Da lag nun Guttenbrunn, die schmucke schwäbische Bauerngemeinde mit ihren 3.000 deutschen Bewohnern. Schnurgerade Straßen von über 60m Breite mit prächtigen Baumalleen, von zierlich bemalten sauberen Häusern flankiert, deren beide Wohnflügel und das große protzige Tor gediegene Wohlhabenheit verraten, bilden das Charakteristikum al­ler schwäbischen Gemeinden.“ „Das ist die Tracht meines Urgroßvaters!“, äußert Hofmann beim Anblick der Männer in Festtracht vor der Kirche.
Auch hier hat sein Pfälzisch bahnbrechende Wirkung, so dass man ihn fragt, ob er aus Groß-Jetscha oder Gertianosch sei. Zu den Besuchen bei den führenden Bauernpersönlichkeiten: „Es war eine Wonne, die schmucken Bauernhäuser mit ihrer prächtigen modernen Inneneinrichtung und ihrer blitzblanken Reinlichkeit zu betreten, im linken Wohnflügel das junge Paar, rechts der Altenteil, dabei innen und außen geschmackvolle Dekorationsmalerei und überreichen Blumenschmuck. Der geräumige Hof wird von großen Ökonomiegebäuden umsäumt, wobei die Pferdeställe reinlicher und schmucker sind als bei uns manche Bauernwohnstube. Die großen Stroh- und Heuvorräte sind im Freien aufgetürmt und paradiesische Gärten schenken südländisches Obst und Gemüse im Überfluss. Nur eines habe ich vermisst, den traditionellen Hausrat aus Urgroßvaters Zeit.“

Bei Tisch erfuhren die Studienreisenden, dass im Banat die Mädchen durchschnittlich im 16. Lebensjahr und die Jünglinge im 20. heiraten: „Südländische Reife“ kommentiert der Reichsdeutsche. Die Hochzeit – erklärt man – sei ein Ehrentag, zu dem bis zu 500 Personen eingeladen werden, die jedoch etwa 1/3 des Verzehrs selber mitbringen, wobei die nähere Verwandtschaft und Nachbarn bei den Vorbereitungen helfen. Ein Satz kennzeichnet die allgemeine Atmosphäre: „Krakeel und Rauferei kennen unsere Banater Landsleute bei solch rauschenden Festen nicht; wehe dem Burschen, der solches wagt; er wäre der öffentlichen Verachtung preisgegeben und keine Braut würde ihm lächeln.“

Heimatmuseum in Groß-Jetscha, Hauensteiner in Saderlach

Groß-Jetscha überrascht die Reisenden mit einem neugegründeten Heimatmuseum für Volkskunde und einem „von Mäusen zerfressenen Buch“ über den Josephinischen Schwabenzug 1783-87, mit Ursachen der Ansiedlung, dem kaiserlichen Ansiedlungspatent mit allen Vergünstigungen für Ackersleute, Professionisten und Tagwerker, Anwerbung usw. „...so brachen so viele , mitunter auch recht wohlhabende, Familien zur Auswanderung auf, dass die Straßen völlig bedeckt waren und es das Ansehen bekam, als wollten alle Menschen die Gegend verlassen.“

Weniger human erfolgte die Besiedlung Saderlachs unter Maria Theresia durch die Hauensteiner oder Hotzen aus dem Schwarzwald, die um ihre Freiheit kämpfend sich gegen die Habsburger erhoben und deshalb 1755 ins Banat und nach Siebenbürgen verbannt wurden. „Eine furchtbare Strafe, da kein Bevölkerungsteil des Schwarzwaldes so mit allen Fasern des Herzens im Heimatboden verwachsen ist wie die Hotzen! Erst 150 Jahre später (1909) wurden sie wieder durch den Lörracher Reallehrer Krumm auf seiner Reise durchs Banat reinrassig entdeckt, denn sie hatten alemannische Mundart, Gebräuche und Sitten ihrer alten Heimat unversehrt bewahrt...
Das übrige Banat hat fast ausschließlich fränkischen Charakter.“ Auch Schwaben waren an der Besiedlung beteiligt, doch „Keine einzige Ortschaft spricht schwäbisch“, totzdem spricht man allgemein von den Banater Schwaben. „Das Gemeinschaftsgefühl mit dem Schicksal Deutschlands... hat sich beim Auslanddeutschen erst nach dem I. Weltkrieg entwickelt“.
Am 17. September erfuhr die Reisegruppe im „Deutschen Haus“ in Temesvar, „dass in der Vorkriegszeit die wenigsten Schwaben einer deutschen Schule im Banat teilhaftig wurden. Die Ungarn suchten rücksichtslos alles zu magyarisieren und zogen die zur Führung geeignete Intelligenz an sich durch Verleihung höherer Stellen im ungarischen Staatsdienst. Der Klerus stand vollständig im Dienste der Magyarisierung.
Besonders bitter wurde im Weltkrieg empfunden, dass die Schwabensöhne mit ihren Eltern kaum brieflich Verkehr pflegen konnten, da sie der deutschen Schriftsprache nicht mehr mächtig waren. Unter der rumänischen Herrschaft seit 1919 haben sich die Verhältnisse wesentlich gebessert, weil die Rumänen das Recht der Minderheiten duldsam anerkennen. So hat die Schwäbische Volksgemeinschaft in ihrem Monumentalbau Banatia ein deutsches Lehrerseminar, Gymnasium und eine höhere Mädchenbildungsanstalt mit Haushaltungsschule..., die meist aus freiwilligen Unterstützungen der Banater Bauern aufrecht erhalten werden...

Weiter vermerkt der Autor noch: In den gemischten Dörfern des Banats wohnen Deu­tsche, Rumänen und Ungarn in besonderen Vierteln, während in Siebenbürgen alles gemischtrassig nebeneinander oder durcheinander wohnt...In religiöser Hinsicht sind die schwäbischen Bauern leider ziemlich gleichgültig. In manchen Dörfern erheben sich ne­ben der römisch-katholischen Kirche der Deutschen noch die griechisch-uniierte und griechisch-orientalische Kirche der Rumänen, wobei letzterer der Vorrang der Staatskirche zukommt. Der schlimmste Feind des Deutschtums im Banat ist der seit einem Menschenalter geradezu verheerend wirkende ‚Weiße Tod‘, der Geburtenrückgang.“

Die landwirtschaftlichen Verhältnisse im Banat

Hauptzweck der Studienreise der Zehn war die Erforschung der landwirtschaftlichen Verhältnisse des Banats, demzufolge kommt Diplom-Landwirt Dr. Drees in seinem Referat zum Schluss: „Das Banat ist ein ausgesprochenes Bauernland, eine kleine deutsche Bauernprovinz...
Wenn man von dem schon etwas gebirgigen Arader Gebiet absieht, so haben wir es im Banat mit einem Boden zu tun, den man sich nicht besser und fruchtbarer denken kann. Ein schwarzer, stark humoser Lehm mit einer Tiefe bis zu 10m übertrifft die besten deutschen Börde- und Marschböden bei weitem. Der Wert des Bodens wird allerdings wesentlich beschränkt durch das Klima des Landes, das unter einem ausgesprochenen Regenmangel im Sommer leidet, was jedoch durch die Tiefe und die wasserhaltende Kraft des Bodens gemildert wird.“

„Die Besitzverteilung ist als eine äußerst glückliche zu bezeichnen“, da es sich meist um Familienbetriebe von durchschnittlich 80 Morgen handle, wobei die Familienangehörigen, bedingt durch das Ein- und Zweikindersystem, zu äußerst anstrengenden Arbeiten gezwungen sind und nur zur Erntezeit rumänische Hilfsarbeiter herangezogen werden. „Fast sämtliche Betriebe sind im Eigenbesitz... Man kennt allerdings weniger den Begriff ,Pacht‘, sondern mehr ‚Abtretung gegen die Hälfte‘, d.h. die Hälfte des gesamten Rohertrages hat der Verpächter zu bekommen.“

Über die einheitlich angelegten Dörfer vermerkt der Autor: „Schnurgerade wie in einer modernen Großstadt durchziehen die Straßen in einer Breite von 50-60m das Dorf. Die Querstraßen verlaufen ebenfalls schnurgerade und im rechten Winkel zu den Längsstraßen. Die Straßenfronten sind fast lückenlos bebaut.
Zu jeder Besitzung gehören mindestens zwei Wohnhäuser, die in den meisten Fällen mit ihrer Giebelseite, zuweilen jedoch auch mit der Breitseite an die Straße stoßen. Zwischen den Häusern befindet sich die gemauerte Toreinfahrt zum Hof und zu den Wirtschaftsgebäuden. Es ist also der Wirtschaftshof von der Straße vollkommen abgeschlossen. Die Dörfer machen dadurch einen äußerst sauberen und schmucken Eindruck. Man findet selbst in großen Dörfern kaum ein Haus, welches nicht sauber mit Wasserfarbe und Kalkmilch gestrichen ist. Jedoch auch in den Wohnhäusern sowie im Hof und in den Wirtschaftsgebäuden herrscht eine geradezu peinliche Sauberkeit, wie man sie in einem reichsdeutschen Dorf schwerlich so gut finden wird.“ Die Stallungen findet der genau Beobachtende nicht sehr umfangreich, da die Nutztierhaltung mit einigen Ausnahmen eine sehr geringe ist, die Betriebe sind Ackerbetriebe, haben daher kein Grünland außer der Gemeinde-Hutweide, wo die Tiere von einem Gemeindehirten gehütet werden.

Als Hauptfruchtarten führt der Reichsdeutsche Mais und Weizen an, in geringerem Umfang werden Roggen, Hafer, Klee, Luzerne angebaut, in einzelnen Gemeinden auch Kartoffeln, Tabak, Wein...“ Für das zeitaufwendige Maislieschen gab es schon die von einem Variascher Landwirt erfundene Maiskolben-Entlieschungsmaschine.
Abschließend heißt es, „dass die Erträge im Vergleich zu dem überaus guten Boden nicht übermäßig hoch sind“, was durch das Klima, aber auch durch die wegen geringer Viehhaltung mangelhafte Düngung zu erklären ist, wie auch durch den geringen Einsatz von Kunstdünger. Dabei kann die Viehzucht ihrerseits nicht forciert werden, weil der Absatz durch die Agrargesetze nicht gesichert ist.

Bis zum Krieg konnte „bei harter und zäher Arbeit allgemein in der Landwirtschaft ein ziemlicher Wohlstand gesichert werden“, danach war auch hier die allgemeine Agrarkrise spürbar, die man vermittels des 1891 gegründeten Schwäbischen Landwirtschafts-Vereins, dem sämtliche Landwirte im Banat angeschlossen waren, zu überwinden versuchte. Zur besseren Fachausbildung der Dorfjugend wurde eine großzügig angelegte Landwirtschaftliche Schule in Verbindung mit einem Versuchsgut in Vojteg ins Leben gerufen, eine 4-semestrige Ackerbauschule nach deutschem Muster, mit deutschem Lehrkörper. Hier wurden alle Landwirtschafts-Maschinen erprobt, gewartet, repariert; Saatmenge, Drillweite usw. experimentiert; Vermehrung und Verbesserung der Viehhaltung, Züchtung und Sortenauswahl vorgenommen, um die Junglandwirte für den schweren Existenzkampf auszubilden.
Im Austausch zwischen Rumäniens Überschuss an Agrarprodukten und Deutschlands landwirtschaftlichen Maschinen war die Donau die beste Verbindungsstraße, wobei jedoch auf die Interessen beider Länder Rücksicht zu nehmen war.

Wo der Wohlstand aus allen Fenstern lacht

In der Banatia präsentierte Direktor Joseph Nischbach das Heim der 250 Schwabenschüler: „Alles modernen pädagogischen und sa­ni­tären Anforderungen entsprechend wie bei uns daheim. Im großen Turnsaal fesselte uns ein herrliches Wandgemälde: Abendrast der Einwanderer mit dem erläuternden Text: Noch läuten uns die Heimatglocken!“
Beim Abschied die Bitte: „Schickt uns doch junge reichsdeutsche katholische Geistliche, Lehrer, Studienräte und Ärzte zur Erhaltung und Förderung urwüchsigen Deutschtums auf dieser fernen Insel im weiten Völkermeer.“

Als weitere Hauptstützpunkte des Deutschtums in der Heide bezeichnet der Autor Groß-Jetscha, Hatzfeld, Grabatz und Lovrin; in Groß­jetscha, „wo der Wohlstand aus allen Fenstern lacht“, konnten die Besucher die Anlage eines Heimatmuseums für Volkskunde besichtigen, das in einem einfachen Bauernhaus eine altschwäbische Bauernstube mit Sammlungen von Waffen, Trachten, Bildern und Medizinal-Einrichtungen zeigte, auch Münzsammlungen, Bücher, Schriften und Dokumente, Ortspläne, An­siedlungsurkunden, Exemplare von Ein­wan­derungspässen, auch Militärscheine von 1766...
Nach Gertianosch, „ein sauberes wohlhabendes Schwabendorf“ beeindruckte Hatzfeld durch „zwei hervorragende Unternehmen, eine hochmoderne Walzenmühle und die größte Dampfziegelei (Bohn-Embolia) der unteren Donau (1.500 Arbeiter).“
In Grabatz gab es einen sehr festlichen Empfang: „Freude leuchtete aus aller Augen“, beeindruckt hat jedoch „das schönste Kriegerdenkmal des Banats (der sterbende Krieger empfiehlt seine Seele dem Erlöser), ein erstklassiges Kunstwerk in weißem Marmor, beredtes Zeugnis von der Heldenehrung der Gemeinde Grabatz“.
„Lenauheim und Lovrin liegen im fruchtbarsten gesegnetsten Landstrich des Banats ‚uf dr Heed‘, weshalb der Berichterstatter auch Szimits‘ Gedicht „Vun dr Heed“ anführt, weil es in Bildhaftigkeit und Dialekt so aussagekräftig ist sowohl für die Banater als auch für alle, die Heimat und Dialekt lieben.
Groß-Komlosch, eine gemischte Gemeinde mit drei Kirchen, ermöglichte einen Vergleich zwischen deutschen und rumänischen Bauernhöfen, denn auch bei gut situierten ru­mä­nischen Landwirten „lugte der primitive rumänische Betrieb noch aus allen Winkeln, in denen balkanischer Fatalismus deutscher Reinlichkeit nicht weichen wollte“.
„Das freundliche Städtchen Lovrin mit seinen breiten Straßen und schmucken Geschäftshäusern ist dokumentarisch schon seit 1466 bekannt und hat unter der Türkenherrschaft viel Unbill ertragen müssen...
Von allen Ansiedlern haben sich ab 1780 durch ihre vorlaute Art die Pfälzer ‚Krischer‘ am meisten durchgesetzt und ihren Dialekt zur Ortssprache erhoben.“ Deshalb kam auch der Pfälzer Hofmann so gut mit seinem „Phälzisch“ bei den Lovrinern an, die ihrem stattlichen Jugendheim die Aufschrift „Ehre Vater und Mutter“ gegeben hatten. Turnhalle und Sportzeitschriften aus Deutschland zeugten von der Aufgeschlossenheit und Modernität der Lovriner. „Ihre Gastfreundschaft duftete aus der Küche“, Volksversammlung mit Männergesangverein und Musik setzten der Bruderschaftsfeier die Krone auf.

„Die Lichter von Alexanderhausen huschten wie Glühwürmchen an uns vorüber. Da plötzlich ein Halt! In der Gemeinde Billed warteten die Bauern schon stundenlang auf den nächtlichen Besuch, und wiewohl keinem von uns jetzt noch der Sinn auf gesellschaftliche Unterhaltung stand, fügten wir uns doch der Bitte des Prälaten Blaskovics, die Erwartung seiner Billeder Getreuen zu erfüllen. So tappten wir im Dunkeln zum Bauernheim, um uns wenigstens dort sehen zu lassen...
Gleich guten Nachbarn nach Feierabend saßen wir da beisammen in gedanklichem Austausch über das Einst und Jetzt im großen deutschen Vaterlande wie im treudeutschen Banat. Die wirtschaftliche Verbindung mit der Industrie der alten deutschen Heimat haben die Banater Schwaben niemals aufgegeben und in der Nachkriegszeit nur noch fester geknüpft“, was auch die Plakate reichsdeutscher Firmen an den Wänden des Bauernvereins veranschaulichten. Offensichtlich ist bei dieser Gelegenheit Billed etwas zu kurz ge­kommen!

Und zum Schluss heißt es in der Berichterstattung: „Herrliche Tage mit so wertvoll Erlebtem an unverfälschtem Volkstum, an beglückender Freundschaft und liebenswürdiger gastlicher Auf­nahme, aber auch an Bereicherung unseres volkswirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wissens fanden damit ihren Abschluss.
Die vor 200 Jahren von uns geschieden waren aus der engeren Heimat am Rhein, hatten wir hier im fernen Osten entdeckt, und wir haben uns als Brüder wiedererkannt und umarmt, in reiner Freude und begeistert an dem, was Stammeseigenart und Heimaterde die Herzen als köstlichstes Verbundensein empfinden lassen.“
Der hier zitierte Bericht entstand daheim in Deutschland und enthält alles, was gesehen und erlebt wurde, damit „es in großer Notzeit, in Kümmernis und Trübsal ein froher Lichtblick sei, ein freudiger Hoffnungsschimmer...“