Budapest - Kopf, Herz und Seele Ungarns


Fotos von Werner Gilde

Bereits seit vielen Jahren ist es Tradition, dass der Karlsruher Kreisverband im Herbst für die Banater Landsleute eine mehrtägige Reise organisiert. In diesem Jahr waren wir vom 31. August – 4. September in Budapest. Teilgenommen haben 82 Reiselustige aus Karlsruhe und Umgebung, die mit zwei Bussen Richtung Osten fuhren.
Der Weg führte uns über München, Salzburg, Wien nach Budaörs, ein Stadtteil von Budapest, wo wir in einem Vier-Sterne-Hotel Unterkunft fanden. Ziel der Reise waren die Besichtigung Budapests sowie eine Tagesfahrt in die Puszta.

Am Morgen des ersten Tages begrüßte uns der Reiseleiter aus Ungarn, ein pensionierter Lehrer, der sich als „Onkel Stefan“ vorstellte und uns die folgenden drei Tage sehr kompetent viel Wissen über Geschichte, Geographie und Ökonomie des Landes vermittelte. So erfuhren wir unter anderem, dass in Budapest etwa 2 Millionen Menschen leben, das sind 20% der Gesamtbevölkerung. Im Mittelalter war Székesfehérvár die Hauptstadt Ungarns. Durch den Zusammenschluss der drei Städte Buda, Óbuda (Alt-Buda) und Pest im Jahre 1873 wurde Budapest zur Hauptstadt.

Am ersten Tag stand die Besichtigung der flachen Pester Seite auf dem Programm. Den ersten Halt machten wir aber ausnahmsweise auf der Budaer Seite, auf dem Gellért-Berg mit seiner Zitadelle, die an das Revolutionsjahr 1848 erinnert und heute ein Kulturzentrum beherbergt. Ebenso befindet sich hier das Befreiungsdenkmal aus kommunistischer Zeit, welches heute als Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges steht.
Von der Anhöhe hatte man einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Donau mit ihren zahlreichen Brücken, darunter die berühmte Kettenbrücke. Anschließend ging es über die Elisabethbrücke nach Pest.

Unsere Stadtrundfahrt führte uns über die Rákóczi utca an Universität, Ostbahnhof, Fußballstadion, Technischem Museum, dem Zoo und dem Stadtwäldchen vorbei zum Heldenplatz. Mit seinen Denkmälern und Museen (Museum der Bildenden Künste und Kunsthalle) ist dieser Platz eine Art nationales Gesamtkunstwerk.

Danach ging es über die Andrássy-Allee – der Prachtboulevard Budapests, der Baukunst, Kultur und Lifestyle vereint – an der Oper vorbei zur St.-Stephans-Basilika. Diese größte Kirche Budapests ist ein neoklassizistischer Bau, benannt nach dem ersten König Ungarns, und beherbergt viele bedeutende Glasmalereien, Gemälde und Skulpturen. Den Rest des Nachmittags hatten wir zur freien Verfügung, eine gute Gelegenheit, das Parlament (kostenloser Eintritt) zu besichtigen. Die Ausmaße dieses imposanten Baus (Bauzeit: 1839 – 1902) sind gewaltig: Es ist an der Donauseite 268 m lang, hat eine 96 m hohe Kuppel und fast 700 Räume. Der bedeutendste Schatz, der sich hier befindet, ist die hochverehrte Stephanskrone – die Heilige Krone.

Ein Highlight dieser Reise war die Abendfahrt auf einem Restaurantschiff auf der Donau. Eine magische Idylle, die wir bei der beeindruckenden Beleuchtung vor allem von Parlament und Kettenbrücke erleben durften.
Am Vormittag des zweiten Tages stand der Stadtteil Buda mit dem Burgviertel, der Fischerbastei und der Matthiaskirche auf unserem Reiseprogramm. Mit jedem Meter, den unser Bus den Burgberg hinauf fuhr, wurde das Panorama prächtiger. Der schönste Ausblick auf die Stadt eröffnete sich uns.

Die Fischerbastei, eine neoromanische Anlage aus dem 19. Jahrhundert, und die Matthiaskirche, die Krönungskirche des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth (Sissi) zum ungarischen Königspaar, konnten wir hier besichtigen.
Um die Mittagszeit erreichten wir die Zentrale Markthalle. Ihre Architektur, das bunte Treiben und das große Warenangebot – nicht zu vergessen die Langos – machen sie zu einem beliebten Hauptstadttreffpunkt.

Den Nachmittag verbrachten wir in Gödöllő, um das berühmte Schloss zu besichtigen. Es ist die größte barocke Anlage in Ungarn und nach Versailles die zweitgrößte überhaupt. Hier wohnte die österreichische Kaiserin und ungarische Königin Elisabeth für einige Zeit mit ihrem Gemahl Franz Joseph. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren hier sowjetische Soldaten einquartiert, später war es ein Altenheim. Nun ist es restauriert und steht in vollem Glanze da. Heute finden in den Räumen des Öfteren Veranstaltungen und Konzerte statt.

Am letzten Tag fuhren wir ca. 80 km von Budapest in die Puszta, der Landstrich zwischen Donau und Theiß. Hier besichtigten wir eine typisch ungarische Csárda namens „Biczó Csárda“, die sich auf Pferde bzw. Pferdedressur spezialisiert hat. Die Pferdehirten, die sogenannten Csikóse, führten uns eine wunderbare Pferdeshow vor.
Empfangen wurden wir mit Barackpálinka (Aprikosenschnaps) und warmem Flammkuchen direkt aus dem Backofen. Der Flammkuchen sah aus und schmeckte, als hätte ihn die Oma früher im Banat gemacht. Nach der Begrüßung fuhren wir gemeinsam mit 5 – 6 Kutschen zur ca. einstündigen Pferdeshow.
Ein weiteres wichtiges Element außer den Pferden war natürlich die Peitsche, mit der die Show noch interessanter wirkte. Bis zu zehn Pferde wurden von einem einzigen Czikós gelenkt, was wahrlich beeindruckend war.
Anschließend gab es ein schmackhaftes, reichhaltiges Mittagessen mit Wein sowie Kaffee und Kuchen. Dazu genossen wir angenehme Tischmusik von einer kleinen Live-Band. Unser letzter Tag wurde somit gelungen abgerundet. Gegen Abend fuhren wir wieder zurück zum Hotel, wo wir leider bereits Koffer packen mussten, denn am nächsten Morgen ging es zurück nach Karlsruhe.

Dass wir unseren Horizont nun ein kleines Stückchen erweitern konnten, verdanken wir nicht zuletzt dem Ehepaar Gerlinde und Werner Gilde, die uns immer wieder solche Reisen ermöglichen. Ihnen – und ich glaube im Namen aller Mitreisenden zu sprechen – gilt ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön.