Die Ballzauberer/innen in Erinnerung behalten


Ein Spieler oder eine Spielerin mit besonderem Geschick, mit einem Ball umzugehen, ist ein Ballzauberer oder eine Ballzauberin. Zauberer dieser Sorte gibt es nicht allzu viele. Es gibt sie mit unterschiedlichen Begabungen. Wenn ein Ballzauberer/in sich jedoch in die Weltklasse hochschnellt, indem er/sie verschiedene Kontinentaltitel oder vielleicht sogar einen Weltmeistertitel erringen kann, dann sprechen wir von einem Talent besonderer Art.

Dank Ballzauberer: Handballbegeisterung hierzulande im Anmarsch
Tausende Menschen strömen zurzeit in die Sporthallen, um ihre Ballkünstler entschieden anzufeuern. Der Handballverband Deutschlands ist der größte der Welt. Erfreulicherweise ist der deutsche Handball wieder in einem beachtenswerten Aufschwung. Das konnten wir vor kurzer Zeit bei der Europameisterschaft in den Sporthallen Deutschlands erleben, wo die diesjährige EM stattfand.
Man höre und staune: Allein beim Eröffnungsspiel der deutschen Truppe gegen die Schweiz saßen mehr als 50.000 Fans auf der Tribüne in der Düsseldorfer Arena und Millionen von Menschen in Deutschland vor den Bildschirmen. Das soll was bedeuten! Die Erwartungen für eine Medaille unserer Mannschaft waren hochgesteckt. Vielleicht zu hoch. Das Erreichen des Halbfinals bei der diesjährigen Europameisterschaft war ein ambitiöses Ziel der deutschen Équipe, die der Isländer Alfred Gislason mit viel Hingabe zurzeit betreut. Im Hallenhandball errang Deutschland drei Mal den Weltmeistertitel: 1938, 1978 und zuletzt 2007. In den Jahren 2004 und 2016 wurde das deutsche Team Europameister. Unser Heimvorteil konnten wir bei der EM 2024 nicht nutzen und belegten nur den 4. Platz. Deutschland spielt jedoch wieder einen bemerkenswerten Handball. Natürlich hätte der eine oder andere Handballfan nur allzu gern die deutsche Nationalmannschaft auf dem Medaillenpodest gesehen.

Die 30. Handball-Weltmeisterschaft der Männer wird 2027 in Deutschland stattfinden. Bis dahin kann die junge deutsche Mannschaft sich noch wesentlich etablieren, denn an Ballzauberern fehlt es anscheinend in Deutschland zurzeit nicht - denkt man nur an Juri Knorr, Johannes Golla oder an den verlässlichen Torwart Andreas Wolff. „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein“, auf diese Weisheit von Perikles (athenischer Politiker und Feldherr) möge das deutsche Handballteam hinarbeiten.

Große Handballnamen aus dem Banat und Siebenbürgen
Zieht man die derzeitige Handballsituation hierzulande in Betracht, so kann man sicherlich die ehemaligen Banater Ballzauberer wie auch die Handballgrößen aus Siebenbürgen von einst nicht so schnell vergessen. Der ehemalige deutsche Bundestrainer von 1974 bis 1982 Vlado Stenzel bezeichnete die Banater Hans-Günther Schmidt aus Marienfeld und Hans Moser aus Temeswar als die weltbesten Hallenhandballspieler der 1960er und 1970er Jahre. Hinzu kommen noch die Weltklasseleute wie Josef Jakob aus Mercydorf, Werner Stöckl aus Reschitza, Roland Gunesch aus Siebenbürgen und Michael Redl aus Lugosch, die nicht unerwähnt bleiben dürfen.
Aber auch berühmte Banater Ballzauberinnen wie Anni Nemetz Schauberger aus Tschakowa, Christine Metzenrath-Petrovici aus Nitzkydorf, Angela Huber-Moşu aus Kleinsanktnikolaus sowie Eva Kaspari Antonescu aus Sanktandres gehen in die Geschichte des Banater und internationalen Handballgeschehens ein. Im Banat machten ebenfalls Hilda Hrivnak, geboren im Donbass, und Edeltraut Franz-Sauer, eine gebürtige Heldsdorferin (Siebenbürgen) Karriere.
Somit dürfen berühmte Handballtalente aus dem Banat, aber auch der banatschwäbische Handball in seiner Gesamtheit nicht in Vergessenheit geraten, wenn auch die Zeit der deutschen Ballzauberer aus Rumänien vorbei ist. Gute Handballspieler in Deutschland, vielleicht auch mit Wurzeln aus dem Banat, werden durch die gute Integration derer Eltern hier in Deutschland noch kaum zum Vorschein kommen. So ist der Banater Handball eben zur Geschichte geworden.

Doku einer Banater Handballgeschichte
Es gebührt Hochachtung, eine derartige Dokumentation einem Völkchen aus dem Banat zu widmen, das nach dem II. Weltkrieg Sportgeschichte geschrieben hat. Handball war bis zum Exodus unserer Volksgruppe 1990 aus Rumänien der „Nationalsport“ der Banater Deutschen. Wie der Handballsport vor mehr als 100 Jahren in das Heidestädtchen Hatzfeld gelangt ist, damals als Házená (die tschechische Art des Kleinfeld-Handballs) bezeichnet wurde und sich danach zum Sport der Banater Deutschen schlechthin entwickelt hat, beantworten die beiden Billeder Johann Steiner und Werner Gilde in einer jetzt unter dem Titel „Zeit der Ballzauberer“ erschienenen Geschichte des Banater Handballs. Für Satz, Layout, Bildbearbeitung des Buches ist Johann Rothgerber zuständig. „Das Buch versucht, möglichst ein vollständiges Bild über diese Sportart in den Banater Städten und Dörfern mit deutscher Bevölkerung zu zeichnen. Die Mitwirkenden an diesem Handball-Buch haben ihr Möglichstes gegeben, um das Handball-Geschehen im Banat darzustellen“, so Johann Steiner im Vorwort des Buchbandes, das seit Spätherbst 2023 auf dem Markt ist.
Zum Beispiel steht im Fokus Carl Schelenz, der Vater des Handballs vor dem Krieg, hat er doch diese Sportart während eines Aufenthalts in der Kleinstadt Lugosch bekanntgemacht. Der Leser erfährt in dem Buch, warum dem aus Lugosch stammenden rumänischen Handball-Papst Johnny Kunst der Olympische Orden in Gold verliehen wurde. Gut zu wissen, dass der aus Triebswetter stammende Ovidiu Becea zum Schiedsrichter-Beobachter Nummer eins im Deutschen Handball-Bund (DHB) aufgestiegen ist, sowie Beiträge und Geschichten über die ersten Dorfmannschaften im rumänischen Oberhaus und über die Banater Spitzenmannschaften Uni, Poli und Tehnometal gehören dazu. In dem Buch stehen mehrere Porträts von Banater Handballgrößen – wie bereits oben angedeutet – zum Bestaunen der Handball Liebhaber zur Verfügung. Es wird eindringlich von der Geschichte des Pipatsch-Pokal-Turniers berichtet, das sich zu einer wahren Banater Meisterschaft entwickelt hatte. Trainer, Schiedsrichter, Sportschulen und Betriebsmannschaften sind im Detail benannt. Vorgestellt wird auch Franz Spier aus Rekasch, der vom rumänischen Handballer Gaţu als bester Handballtrainer eingeschätzt wurde, den Rumänien je hervorgebracht hat.

Beiträge der Handball-Liebhaber
In 70 Beiträgen bringen die beiden Herausgeber des Buches gemeinsam mit 23 Autoren dem Leser die Sportart Nummer eins der Banater Deutschen näher. Den Sport inklusive Handball in Sanktandres stelle ich in dem Buch unter dem Titel „Mit Leidenschaft Sport getrieben“ vor. Ähnlich wie bei den anderen Mitarbeitern fußt meine Berichterstattung auf Informationen, die mir ehemalige Sportler zukommen ließen. Beim Recherchieren der Sanktandreser Handballgeschichte hatte ich die Gelegenheit, mit Landsleuten ins Gespräch zu kommen, die ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr begegnet oder gesprochen hatte. Dabei wurden nette Dialoge ausgetauscht. Immer wieder kam landsmännische Verbundenheit zum Vorschein; und dies manchmal nach einer Entfremdung von mehr als 50 Jahren. Ich stellte mit Wohlgefallen fest, dass das „Schwowische“ auch heute noch verbindet. Und es tut gut. Die Bereitschaft von Eva Kaspari-Antonescu, mir Fotos von ihrer sportlichen Laufbahn für das Buch zur Verfügung zu stellen, hat mich begeistert, wofür ich mich auch herzlich bei ihr bedanken möchte. Erfreulicherweise konnte ich im Rahmen der Buchveröffentlichung mit dem Wahl Andreser Peter Zerwes paar Monate vor seinem Tod ein ergiebiges Telefongespräch führen. Er hat für den Banater Handball viel getan und als Mitarbeiter der Neuen Banater Zeitung hat er die „Schwoweleit“ mit Berichten vom Sport aller Art immer auf dem neuesten Stand gehalten. Auch ihm wird in dem Buch für seine sportlichen Verdienste viel Platz eingeräumt.

Mehrere Tage verbrachte ich im Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart. Dort ließ ich mit großem Interesse und mit viel Begeisterung etliche Mikrofilmrollen abspielen, um an wertvolles Material zur Gestaltung des spannend wertvollen Buches zu gelangen, das die Realität des Banater Handballs sicherlich verewigt. Zum Entstehen dieses Buches trugen auch viele andere Handball-Liebhaber mit großem Enthusiasmus bei: U. a. Jana Augustin (Leiterin der Bibliothek des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München), Susanne Munz (Bibliothekarin am Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen), Luzian Geier (Journalist), Felix Matei (gebürtiger Marienfelder, der in Großsanktnikolaus und später in Temeswar im Team des Lenau-Lyzeums Handball spielte) usw., um nur einige Namen dieser Mitwirkenden zu erwähnen.

Die Beiträge des 440 Seiten starken Buchs sind mit mehr als 270 Fotos illustriert.
Bestellt werden kann es unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
telefonisch unter 0175 609 44 31;
Preis: 38 Euro (darin enthalten sind 5 Euro Versandkosten).


Alles in allem:
Johann Steiner und Werner Gilde ist es in diesem Buch gelungen, eine ausgezeichnete Handballgeschichte des Banats aufzuzeichnen, um die 100-jährige Banater Handballgeschichte erhalten zu lassen. Es wäre wirklich schaddrum, wenn es nicht passiert wäre.
Beim Lesen des Buches und beim Bestaunen der einmaligen Fotos in diesem Band kommen Emotionen hoch, was wiederum riesige Freude uns interessierten Lesern beschert. Denn: „In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit.“

Johann Janzer, Vorsitzender der HOG Sanktandres




Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.